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Romane auf dem Handy

01.09.08 (Handy News)

Die Handybegeisterte Nation interessiert es schon lange nicht mehr, einfach nur mit dem Handy zu telefonieren. In Japan entstand das neue Konzept – die Handyromane. Vor allem in Zügen und in der Mittagspause wird die Literatur verschlungen. Viele Menschen in Tokios Business-Bezirken halten ein kurzes Nickerchen in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Doch neuerdings sind immer mehr beim Lesen.


In Japan sind diese Handy-Romane zurzeit der absolute Hit. Wer mitreden will, muss sie gelesen haben. Mit einem Piepton wird signalisiert, dass ein neues Kapitel angekommen ist. Die Texte sind zwar nicht sonderlich groß, aber wahrscheinlich gerade deshalb sind sie so beliebt. Sie können zwischen zwei Haltestellen ohne Probleme schnell verschlungen werden. Das Gute an diesen Romanen ist, das Mobiltelefon hat jeder immer dabei. Ein Buch mitzunehmen ist schon etwas anderes.

Es ist in Japan schon zu einem Massenphänomen ausgeartet. Etwa die Hälfte der zehn Top-Bestseller auf dem japanischen Büchermarkt kann auch via Display gelesen werden. Es gehen durchschnittlich 400.000 Exemplare pro Romantitel über diesen virtuellen Ladentisch. Jedoch sind die meisten Romane von Newcomern geschrieben worden, die durch diese virtuellen Bücher bekannt werden. Die meistverkauften Bücher handeln vor allem von Geschichten aus dem Rotlichtmilieu, Horror oder Mystery. Aber auch Liebesgeschichten sind immer gern gelesen. Diese Literatur wird von einer Internetseite heruntergeladen und kostet meist zwischen ein und zehn Euro pro Buch.

Für die Zukunft wird auch schon geplant. Die japanischen Verlage hoffen mit 100 Millionen Euro Umsatz in den nächsten Jahren. Es wird in Newcomer und Technik investiert, um das Lesen der Literatur noch besser zu gestalten. Es wurde sogar schon der erste Literaturpreis für einen Handy-Roman ausgelobt. Der Preis dotierte mit 5.000 Euro und ging an eine Autorin mit dem Pseudonym Towa. Ihre Geschichte „Kurianesu“ handelt von der Liebe einer Schulmädchen-Prosituierten und einem Gigolo.

Auch in Deutschland gibt es schon Romane für das Mobiltelefon. Jedoch ist diese Literatur im deutschsprachigen Raum noch nicht sonderlich ausgebreitet. Es gibt beispielsweise den Roman „Lucy Luder und der Mord im StudiVZ“. Diese elektronische Wegwerf-Literatur könnte sich aber auch bei uns in Deutschland verbreiten. Es muss nicht unbedingt hohe Literatur sein. Mehr zeitgenössische Geschichten könnten sich als Zeitvertreib für unterwegs den Weg machen.

Eine Berliner Multimediaagentur produziert Handy-Bücher mit klassischer Literatur wie zum Beispiel Kants „Was ist Aufklärung?“. Damit sollen unter anderem Verlage neugierig gemacht werden. Diese elektronische Literatur ist eine ernst zu nehmende Alternative zu den normalen Büchern. In Österreich können diese Texte beispielsweise von www.blackbetty.at und in Deutschland von www.handybuecher.de herunter geladen werden.

Viele potentielle Nutzer sind noch sehr skeptisch. Sie sind sich nicht sicher, ob diese Texte auf dem Display ohne weiteres gelesen werden können. Doch muss gesagt werden, auf dem Display wird nicht gescrollt, sondern eine Seite weiter geblättert. Es sollte somit jeder einfach einmal ausprobieren und es für sich selbst testen.


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